Depot und Strom

🚗 Wer seinen Diesel gegen ein E-Auto getauscht hat kennt das: Wallbox für die Garage bestellen, Elektriker anrufen, fertig. 🚛 Und der Logistiker, was macht der?

🔌 Logistikdepots stehen oft ausserhalb von Ortschaften. Der Netzanschluss war jahrzehntelang ausreichend für das was man brauchte: Hier in der Schweiz gerne mal nur 32 Ampere für Licht, Werkstatt, Büro. Das sind dank Drehstrom immerhin rund 22kW. Ab und an dann auch gerne 63 Ampere, wenn es mehr sein musste.

🚛 Heute zieht ein einzelner E-Truck beim Laden schon locker 400 kW – von Megawatt Charging mal gar nicht gesprochen – das wären bei einem typischen Niederspannungsanschluss weit über 500 Ampere für einen einzigen Truck. Mit seinen vielleicht 63 Ampere Anschluss lädt er dann mit 43kW, abzüglich was der Betriebshof selbst braucht.

⏳Um eine 550-600kWh Batterie zu füllen dauert es, zwei Trucks gehen schon über Nacht nicht mehr. Wer noch mehr Trucks gleichzeitig laden will, oder sein Depot für Dritte öffnen möchte, nicht nur aus Solidarität sondern weil er die Auslastung braucht um die Infrastruktur zu rechtfertigen, der spricht also schnell von Mittelspannungsanschluss im Megawattbereich.

🔋Das endet dann fast immer in einer Genehmigungsfrage beim Netzbetreiber statt in einer Kaufentscheidung, und das kann lange dauern. Klar kann ein Batteriespeicher das abmildern, aber je nach Ausgangslage hilft auch der beste Speicher nichts, wenn er die Betriebswoche nicht übersteht oder an betriebsfreien Tagen nicht vollständig nachladen kann, weil der Netzanschluss ein Gartenschlauch statt eine Pipeline ist.

📬Den Ausweg über eine Standortverlagerung zu ehemaligen Industriearealen mit starkem Netzanschluss klingt auf dem Papier clever, doch muss man diese in der Schweiz erst einmal finden und nicht immer ist das eine Option, wenn man regional verwurzelt und tätig ist.

🦾 Was mich freut ist, dass unsere Branche aus den Fehlern der PKW-Elektrifizierung gelernt hat. So entstehen neue Ansätze die das Problem von einer anderen Seite anpacken. Die ASTAG Schweizerischer Nutzfahrzeugverband baut mit Depotcharge ein P2P-Modell, um Infrastruktur zu teilen statt alleine bauen. dragonize denkt das Depot als Gesamtökosystem und kommt direkt von der TST Gruppe und Katrin Herda, also von der Branche für die Branche. Sie denken alle in die richtige Richtung.

🚧 Es gibt viele unsichtbare Barrieren bei der Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs, besonders abseits der internationalen Speditionen – bei den KMU, den regionalen und nationalen Logistikern – über die niemand offen und gerne redet. Aber wer sie ignoriert, baut auf Sand. Es ist Zeit das zu ändern.