Laden klingt einfach

🚛 Laden klingt einfach. Einstecken, warten, weiterfahren. Bis du mit Logistikern redest. Dann werden aus ein paar Kilowatt eine Existenzfrage…

🔌 Laden ist ein physischer Prozess. Das klingt banal, aber es hat eine Konsequenz die die ganze Branche prägt. Ein Truck braucht dafür logischerweise einen Stellplatz und Zeit. Jede Optimierung dieser zwei Dimensionen kostet Geld. Wer einen Punkt optimiert verschiebt unweigerlich die anderen zwei. Das ist das Dreieck hinter jedem Ladeentscheid.

↔️ Martin Lörtscher, CEO der Hugelshofer Gruppe, hat es in einem SRF-Interview mit Matthias Heim so formuliert: „Wir können uns nicht ins Unendliche optimieren. Über allem steht immer die Dienstleistung unserer Kundinnen und Kunden.“ Sein Ladepark für 30 Trucks gleichzeitig hat 7 Millionen Franken gekostet. Das ist das Dreieck in Zahlen. Hugelshofer kann das stemmen, doch viele kleinere Firmen nicht.

💰Und hier beginnt das Problem das mir Logistiker immer wieder beschreiben. Ein E-Truck kostet noch deutlich mehr als sein Dieselpendant. Wer in Fahrzeuge investiert hat oft kein Kapital mehr für die Infrastruktur. Wer zuerst den Ladepark baut, braucht dennoch die Trucks die ihn auslasten. Das klassische Henne-Ei-Problem.

Und selbst wenn beides steht ist ein ausreichender Netzanschluss nicht garantiert. Wer denkt, der Logistiker könne das einfach mit öffentlichen Ladeparks kompensieren, versteht das Geschäftsmodell nicht. Das habe ich auch mit Mike Ritter von Käppeli Logistik Sargans diskutiert. Depotcharging ist Pflicht, nicht Kür.

🔋Dann kommt die nächste Realität. Ein E-Truck hat richtig satte Ladeleistung, die er braucht alleine schon aufgrund der Batteriegrösse. Und ich spreche hier noch nicht mal vom Megawatt-Charging, sondern den weit verbreiteten Modellen mit CCS und 250-400kW Ladeleistung. Das Leistungsentgelt beim Netzbetreiber bedankt sich. Der Netzanschluss auch, wenn fünf Trucks gleichzeitig laden sollen. Doch der bestehende Anschluss reicht eh fast nie.

💸 Also muss ein Batteriespeicher her, dazu ein Energiemanagementsystem das die Ladung über Nacht verteilt, und weil man schon dabei ist gleich noch eine PV-Anlage. Investition auf Investition, bevor der erste Truck rollt. Doch genau das muss er, denn dafür ist er da.

Und wenn die Trucks trotzdem morgens nicht voll sind? Dann fährst du nicht einfach zum nächsten Ladepark. Dann zahlst du Vertragsstrafen weil du nicht pünktlich lieferst.

🚛 Der Logistiker will fahren, nicht Energiewirtschaft studieren.
Er will Verlässlichkeit zu einem Preis den er kennt, statt Infrastruktur die er nicht versteht.

Ich bin am Anfang dieser Reise in die Welt des elektrischen Schwerlastverkehrs. Mein Ziel: Anbietern helfen, dieses Segment aus Logistikersicht zu verstehen. Und genau darum rede ich auf Augenhöhe mit der Branche. Wer Lust auf Austausch hat: ich höre zu.