Laden nicht erfunden

⛽->🔋 Die Ladebranche hat nicht das Laden erfunden. Sie hat das Tanken elektrifiziert, indem sie einfach Benzin gegen Strom tauschte. Das war 2016 richtig, doch heute wird es vielen Anbietern die Luft abschnüren.

🔌 Als die ersten Schnelllader an verkehrsgünstigen Orten entstanden, gab es kein Vorbild für das was Laden sein könnte. Denn Strom haben die meisten Menschen daheim aus der Steckdose bezogen, aber sicher nicht für Mobilität. Und jene Mobilität, die bereits elektrifiziert war, hat ihren Strom dank Leitung immer dabei und brauchte keine Speicher.

⛽ Was wir wussten, wir müssen das Tanken ersetzen, denn jetzt wird geladen. Also hat man so gebaut, wie man es seit Jahrzehnten kannte. Ein zentraler Ort mit vielen Anschlüssen, den Stecker sogar in Anlehnung der Zapfpistole gestaltet, warten bis geladen ist und weiterfahren. Nur mit Strom statt mit Benzin. Das war nicht dumm, das war pragmatisch. Und für den Moment richtig.

🙋 Wechseln wir die Perspektive. EVs sind für viele Menschen bereits ein grosser Schritt. Ein neues Fahrzeug mit neuerTechnologie und oft ein grosser Sprung bei den Assistenzsystemen und zu Beginn auch einigen Kompromissen die man eingehen musste. Wenn dann auch noch die Befüllung komplett anders funktioniert hätte als gewohnt, wäre das kognitiver Overload. Die Tankstellenlogik hat also auch psychologisch geholfen. Sie hat Neues in etwas Bekanntes und Vertrautes übersetzt.

🏞️ Und strukturell war Journey Charging einfach der leichtere Einstieg. Eine Raststätte gehört jemandem, der Interesse hat. Der Verkehr fliesst bereits dorthin und Parkplätze sind bereits vorhanden. 

Destination Charging ist das Gegenteil: Eigentumsverhältnisse sind komplex, Vermieter und Mieter streiten sich, Vorschriften fehlen oder bremsen, der Betreiber des Parkplatzes ist nicht der Betreiber des Gebäudes ist nicht der Nutzer der Ladesäule.

Verständlich also, warum die Branche diesen Weg gegangen ist.

🏡 Aber verständlich bedeutet nicht zukunftsfähig. Und so wie Elektroautos heute für die grosse Mehrheit längst keine Kompromisse mehr bedeuten oder erfordern, so werden die meisten privaten Ladevorgänge nicht mehr an Autobahn oder im Ladepark stattfinden. Sie verschieben sich ins eigene zuhause, an den Arbeitsplatz, zum Einkauf oder in die Freizeit . Dort wo das Leben ist. Und dort funktioniert Tankstellenlogik nicht, weil der Fahrer nicht wegen des Ladens dort ist, sondern um etwas anderes zu tun.

☕ Und zum ersten Mal in der Individualmobilität sind wir in der Lage, dem Rechnung zu tragen und aus dem auffüllen einen passiven Vorgang zu machen, der einfach nur passiert, während man seinem Leben nachgeht.

🛣️ Wer heute noch ausschliesslich in Tankstellenlogik denkt, baut für eine Minderheit der Ladevorgänge in der Zukunft. Auch das wird gebraucht, doch der Kampf um diesen Teil des Marktes wird hart, brutal und zu starker Konsolidierung führen. Entweder hast Du dann eine Strategie um zu gewinnen oder den falschen Markt.

Jetzt ist der Moment Klarheit zu schaffen, für welchen Markt man gebaut ist um zu gewinnen. Und wer merkt dass es nicht dieser ist, sollte seine Differenzierung finden bevor die Konsolidierung ihn findet.