Diese Logistiker wieder, warum stellen sie nicht einfach auf E-Trucks um, der Schuss mal wieder nicht gehört? 💥
Den Satz höre ich öfter von Leuten die noch nie auf einem Betriebshof gestanden haben und noch nie direkt mit einem Inhaber eines KMU-Transportunternehmens sprachen. Doch wer zögert hat mitunter gute Gründe.
⛽ Eine schmerzhafte Lektion
Ich war in den letzten Wochen auf ein paar dieser Betriebshöfe und da hören sie den Schuss nicht nur laut sondern nachhallend. Vor allem haben sie schon einmal ganz genau hingehört. Vor ein paar Jahren, als Gas die Antwort auf den Dieseltruck war. Staatlich gefördertes CNG, LNG oder BioCNG von Truckherstellern und Politik gleichermassen gepusht. Wer hier früh investierte wurde als Vorreiter gefeiert und bejubelt.
Und dann wurde die Förderung gestrichen, doch das wäre zu verschmerzen gewesen. Zusätzlich aber blieb das Tankstellennetz sehr überschaubar und Gas wurde immer teurer. Am Ende war es ein Irrweg.
Ein echtes Drama und einen Aufschrei gab es nicht, nur ein stilles aussterben. Doch auch das hallt nach. Jetzt kommen die E-Trucks angerollt und erneut wird subventioniert und gepusht.
🔋 Der entscheidende Unterschied
Gas hatte noch einen Vorteil, denn es funktionierte nach gleicher Logik wie der Diesel. Tankstelle, volltanken, weiterfahren, also die gleiche Betriebslogik nur ein anderes Gemisch.
Ein Elektro-Truck ist anders unterwegs. Von Tag eins an ändert sich die Betriebslogik komplett. Der Truck lädt für viele Logistiker, die nicht international auf Achse sind, auf dem eigenen Betriebshof und das Depot wird zum Energiesystem. Das ist keine Kür, das ist eine Pflichtübung.
Auf einmal spricht man über Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Speicher, Energiemanagement, Ladeplanung. Das prasselt alles gleichzeitig auf einen ein und alles bevor der erste Truck rollt. Und gleichzeitig posaunt die Politik einen von Technologieoffenheit.
🚚 und was jetzt?
Ich bin überzeugt, dem E-Truck gehört die Zukunft und er wird sich durchsetzen. Die E-Pioniere der Branche beweisen es bereits heute tagtäglich. Doch darum geht es hier nicht, es geht nicht um Technik und Effizienz, nicht einmal Wirtschaftlichkeit. Und das in einer Branche wo die Kosten pro Kilometer alles sind. Es ist auch egal wie viele Anbieter sagen, das sie für alles eine Lösung haben.
Die Sorge bleibt, die Ängste und manchmal das Gefühl von Hilflosigkeit. Weil der Logistiker elektrisch lernen soll, bevor er fahren kann. Ein tiefgreifender Wandel bedeutet immer Unsicherheit.
Hier gilt es anzusetzen. Das gelingt nicht mit der nächsten technischen Spezifikation oder dem grössten Batteriespeicher. Sondern mit Verständnis für eine Branche im Umbruch. Das gelingt vor allem aus der Branche für die Branche. Von Logistiker zu Logistiker. In den vielen Erfolgsgeschichten die ehrlich und offen erzählt werden. Konkurrenten auf der Strasse, aber nicht in der Sache.
Schuss nicht gehört?

