In Dänemark lernen wir gerade etwas Entscheidendes über Elektro-Transporter: 30,9 % aller neuen Transporter-Zulassungen in 2025 sind elektrisch, gegenüber 15,3 % im Vorjahr. Ein Markt der sich ändert, doch geht das so einfach?
Der Transporter-Kunde ist nicht der PKW-Kunde. Der Installateur, der Elektriker, der kleine Logistikbetrieb mit seinem Spinnennetz aus Routen fahren meist keine langen Strecken. Sie fahren lokal und regional, voll beladen, und halten dort, wo der Auftrag es erfordert. Natürlich wollen sie bei ihrem Geschäft oder Werkstatt laden, doch ein Stück weit ist ihr Transporter ihre Werkstatt, und die lädt man unterwegs.
Damit sind sie massiv auf Destination Charging angewiesen. Geladen wird, wo der Auftrag sie hinführt. Aber das heutige Destination Charging ist weit davon entfernt, diese Branche vernünftig zu bedienen. Es funktioniert ja selbst für PKW ausserhalb von Oslo oder Kopenhagen nur unzureichend.
Wenn die Reichweite bereits durch die Zuladung schrumpft ist das aktuelle Flickwerk an halb-öffentlichen Ladepunkten ein tägliches Glücksspiel.
Ein Elektriker aus der Schweiz sagte neulich zu mir: „Wer heute öffentliche Ausschreibungen gewinnen will, muss mindestens teilweise elektrisch unterwegs sein. Wer bei der Frage 0 angibt, ist draussen, selbst wenn man günstiger ist als die anderen.“ Der Druck ist also bereits im Markt. Die Infrastruktur, die ihn auffangen kann, nicht.
Was bräuchte es denn, damit es klappt? Das beginnt mit Lademöglichkeiten an den richtigen Standorten, ausgelegt für die kommerzielle Nutzung, zuverlässig betrieben und über Anbieter hinweg zugänglich. Dazu eine glasklare Kundenorientierung, in der Sprache und der Welt, die diese Kunden verstehen. Und eine Standortlogik, die sich daran orientiert, wo Handwerksbetriebe tatsächlich arbeiten, nicht wo zufällig Wohngebäude stehen.
Klar gibt es Anbieter für jeden einzelnen dieser Punkte. Jedoch verteilt in verschiedenen Unternehmen, in verschiedenen Produkten, und jeder kämpft für sich. Ein Hardware-Hersteller, der Gebäude versteht. Ein Netzbetreiber mit Reichweite. Eine Kundenschicht, die weiss, was Kunden brauchen. Keiner von ihnen schafft das allein. Zusammen könnten sie etwas bauen, das Handwerksbetriebe tatsächlich nutzen würden.
Wir sollten nur nicht vergessen: Dem Handwerker ist das alles egal. Er wartet nicht darauf, dass ein Ökosystem reift. Er braucht seinen Transporter aufgeladen, wenn er ihn braucht, vor Ort, damit er den Auftrag erledigen und den nächsten gewinnen kann. Es ist an der Zeit, ihnen eine Hand zu bieten.
Bild von Juice auf Unsplash

